die Schneeflocke

“Kannst du mir sagen, wie viel eine Schneeflocke wiegt?”, fragte eine Kohlmeise eine Wildtaube.

“Ein Nichts von einem Nichts”, antwortete sie.

“Da muss ich dir etwas Erstaunliches erzählen”, sagte die Kohlmeise.

“Ich sass auf einem Tannenzweig nahe am Stamm,  als es zu schneien anfing, nicht heftig, es war kein Schneesturm, nein, so leise wie ein Traum.

Da ich nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf den Zweigen und Nadeln meines Astes hängen blieben. Ich kam bis zu 3.741.952.

Als die nächste Schneeflocke auf den Ast fiel – ein Nichts von einem Nichts,  wie du gesagt hast – , brach der Ast ab.”

Nachdem sie das gesagt hatte, flog die Kohlmeise davon.

Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Verkünderin des Neuen, dachte über die Geschichte nach und

sagte schliesslich zu sich: 

“Vielleicht fehlt nur noch eine einzige Stimme, damit es Frieden auf der Welt gibt.”

 

Kurt Kauter, aus: “Offen wie das Meer, weit wie der Himmel” von Jack Kornfield

 

Wäre doch schön wenn es mehr dieser einzelnen Stimmen gäbe

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